
WeFairPlay: Geschichten und Preisträger:innen der Ausgabe 2025 – ausgezeichnet in der Messe Bozen
12 Oktober 2025
WeFairPlay kehrt ins Theater zurück: Auf der Bühne steht die mutige Geschichte der „Anwältin der Armen“ Marianella García Villas
23 Dezember 2025Am 20. Oktober 2025 fand in der Stadtbibliothek Bozen eine weitere Veranstaltung der Reihe „Storytellers: Große Sport-Kommentatoren erzählen Geschichten über Fair Play” statt. Die von G.S. Excelsior und WeFairPlay ins Leben gerufene Reihe bringt profilierte Stimmen des Sportjournalismus zusammen, um zentrale Werte des Sports zu thematisieren. Im Mittelpunkt des Abends stand diesmal Gaia Piccardi, langjährige Autorin des Corriere della Sera. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Marco Imarisio hat sie das Buch Piovuto dal cielo – Come Jannik Sinner sta cambiando la storia del tennis verfasst, das sie in Bozen vorstellte.
Nach den Auftritten von Stefano Bizzotto und Lorenzo Fabiano bestätigte auch dieser Abend die Stärke des Formats: Durch Sportgeschichten zu vermitteln, was es heutzutage bedeutet, über Fair Play zu berichten – insbesondere in einer globalen Sportart wie dem Tennis. Das Gespräch mit Piccardi verknüpfte die Chronik von Jannik Sinners Erfolgen mit einer größeren Reflexion über das Gewinnen und Verlieren und darüber, wie man – auf und neben dem Platz – Haltung zeigt.
Dass Jannik Sinner bei der zweiten Ausgabe von WeFairPlay im Jahr 2023 ausgezeichnet wurde, überrascht nicht. Grundlage hierfür waren zwei klare Beispiele sportlicher Fairness: In Cincinnati im Jahr 2022 wies er den Schiedsrichter darauf hin, dass der Aufschlag von Thanasi Kokkinakis korrekt gewesen war, wodurch er den Punkt und das Spiel abgab. In Umag räumte er gegenüber Jaume Munar ein, das Netz mit dem Schläger berührt zu haben, und überließ ihm folgerichtig den Punkt. Im Buch werden diese Momente Teil eines umfassenderen Porträts eines Athleten, in dem sich Talent, Disziplin und Mäßigkeit verbinden, und für den Respekt – sich selbst, seinem Gegner und dem Sport gegenüber – eine klare Leitlinie ist.
Piovuto dal cielo zeichnet Sinners Weg von Sexten über Bordighera bis zur Trennung von Riccardo Piatti und dem Aufbau eines neuen Teams nach. Das Buch beschreibt, wie kontinuierliche Arbeit, Liebe zum Detail und eine stark von seinen Wurzeln geprägte Erziehung seine Entwicklung beeinflusst haben. Es ist ein Blick auf die verschiedenen Facetten eines Athleten, der trotz großer Erfolge bodenständig geblieben ist – und eine Gelegenheit, den Begriff Fair Play weit über den einzelnen Moment hinaus neu zu betrachten.
Um diese Themen zu vertiefen, haben wir mit Gaia Piccardi über den pädagogischen Wert des Sports, die Verantwortung journalistischer Berichterstattung sowie die Bedeutung eines fairen Auftretens im heutigen Spitzensport gesprochen.
Wie beurteilen Sie die Bedeutung der Initiative WeFairPlay? Wie wichtig ist es heute, faires Spiel hervorzuheben?
Wir sprechen hier über einen der Grundwerte des Sports. Fair Play ist ein konstitutives Prinzip, kein dekoratives Detail. Initiativen wie „WeFairPlay” leisten daher einen wichtigen Beitrag, indem sie diesen Wert wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. In dieser Hinsicht ist Jannik Sinner ein ideales Beispiel: Er ist ein Siegertyp, dessen Jubelgesten jedoch nie übertrieben oder laut sind. Von den „Big Three” hat er nicht nur die technische Dimension, sondern auch die große Klasse im Umgang mit Niederlagen übernommen. Seine Art, auf dem Platz zu stehen, zeigt, wie Sport sein sollte.
In Ihrem Buch beschreiben Sie einen Sinner, der Talent, Disziplin und Besonnenheit vereint. Welcher Moment verdeutlicht diesen methodischen Ansatz am besten?
Nicht ein einzelner Moment, sondern die Tatsache, dass jede Minute in Sinners Alltag von Disziplin geprägt ist. Es ist der Respekt, den Jannik seiner Zeit und seiner Arbeit entgegenbringt. Im Sport erleben wir viele außergewöhnlich talentierte Athleten, die ihr Potenzial letztendlich verschwenden. Bei ihm – obwohl seine Karriere anfangs eher Richtung Ski zeigte – hat man nie das Gefühl, dass er Zeit vergeudet. Kein Training wird verschwendet, keine Gelegenheit, ein Detail zu verbessern. Diese Strenge sich selbst gegenüber, die Fähigkeit, sein Talent in eine Methode zu integrieren, erklärt sehr viel über die Qualität seiner Ergebnisse.
WeFairPlay würdigt Gesten wie jene in Cincinnati und Umag. Worin besteht Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen echtem Fair Play und reiner Imagepflege? Und welche Rolle spielen die Medien dabei, solche Beispiele für junge Menschen einzuordnen?
Die wichtigste Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten ergibt sich aus der Reichweite ihrer Medien. Es geht darum, die Realität möglichst präzise abzubilden. Dazu gehören besondere Leistungen und faire Gesten, aber auch weniger erfreuliche Aspekte des Sports. In meinen dreißig Jahren Berufserfahrung bin ich vielen positiven, aber auch problematischen Geschichten begegnet. Sport spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen wider, einschließlich Themen wie Wettmanipulation oder Doping. Gerade deshalb ist es wichtig, faire Gesten wie jene von Sinner angemessen darzustellen, ohne sie zu idealisieren oder zu relativieren. Die Art der Berichterstattung beeinflusst, ob solche Momente jungen Menschen als Orientierung dienen können.
Wie selten ist ein Champion wie Sinner?
In meinen drei Jahrzehnten als Sportjournalistin bin ich bisher keiner Persönlichkeit begegnet, die Sinner auch nur annähernd ähnelt. Ohne ihn zu idealisieren, lässt sich sagen, dass er eine völlig neue Figur im italienischen Tennis verkörpert. Er erreicht sportliche Bereiche, die zuvor noch keinem anderen Italiener gelungen sind. Zudem ist er die Nummer eins einer weltweit verbreiteten Sportart. Tennis wird auf allen fünf Kontinenten gespielt – und er stammt aus einem Ort mit rund 1.800 Einwohnern. Für diejenigen, die seine Karriere begleiten, besteht der Reiz darin, diese verschiedenen Aspekte zusammenzuführen: den Spitzensportler, den jungen Mann aus der Provinz und den Profi, der seine Aufgaben mit großer Ernsthaftigkeit wahrnimmt.




